zurück   
Zurück zur Startseite
Qi Gong  
Kalligrafie / Malerei
|
Termine
|
Links
|
Tian Xia -
Deutsch Chinesischer Kunstförderverein
Sprache
|
Wu Shu Bekleidung
|
Kontakt
Zurück zur Startseite

Das Lied vom wildgewordenen Pinsel
Lu You ( 1125 - 1210 )

Und tränke ich auch tausend Krüge Wein, sie löschten diesen Brand im Herzen nicht. Den Pinsel her! Mir ist die Welt zu klein. Kreuz und quer mit flammendem Gesicht male ich Zeichen hin, mir kaum bewusst der Riesenkraft, die in mir tobt, geballt wie Wolken, wie ein Sturm in meiner Brust - So treibt zum Werk mich die Naturgewalt. Verkrallt im Kampfe bäumen wutentbrannt sich Drachen auf in blutigwildem Tanz. Gebirge stürzen von Dämonenhand zerschmettert; überdüstert lischt der Glanz des Mondes. Hier im Tuschetrümmerfeld hab ich verjagt den Kummer - endlich frei, die Kehle nicht mehr zugeschnürt. Nichts hält mich jetzt umkrallt. Ich brülle, singe, schrei, zerhämmre mit der Faust mein Bett. Es fällt die Kappe mir vom Kopf. Was kümmert`s mich! Wo find ich nur Papier in dieser Welt, das groß genug für meinen Pinselstrich? Die Halle dort! - He, Pinsel! Nun zerwühl Die Wand! - Hoch! - Höher! Bis ins Dachgestühl.
Werksimpressionen

Unterrichtsimpressionen

Shu Fa Dao

Die vier Schätze

Die Herstelllung

Tipps

Shu Fa Dao - Der Weg der chinesischen Kalligrafie

Ein Bericht von Karin Zhang

Shu Fa ist die Basis für meine Malerei. Shu Fa ist das chinesische Wort für die Schriftkunst, die Kalligrafie, ausgeführt mit Pinsel und Tusche auf Reispapier.

Seit 1992 zieht sich die chinesische Kalligrafie wie ein roter Faden durch mein bewegtes Leben. Sie windet sich durch alle Höhen und Tiefen, verläuft manchmal kaum sichtbar im Untergrund, liegt manchmal hellleuchtend und alles beherrschend an der Oberfläche. Sie gibt Sicherheit - und gleichzeitig mit diesem Ausspruch meine ich erklären zu müssen, dass sie mich gelehrt hat, dass eigentlich nichts sicher, sondern einfach nur da ist, weil es ist. Und dass es so, wie es ist, gut ist. Für diese Einsicht habe ich keine Bücher gelesen, sondern habe immer wieder geschrieben, immer wieder den Pinsel genommen und Linie für Linie und Zeichen um Zeichen geübt.
Shu Fa tut gut, oft braucht es nur einige wenige Bewegungen mit dem Pinsel, ohne die Absicht ein "großes Werk" zu vollbringen und ich fühle die Ruhe, die mit der unglaublichen Intensität einher kommt, die ich so sehr liebe. Das ist Leben. Das ist Spannung und Entspannung in stetiger Abwechslung, voller Rhythmus und Klangfülle.
Zu Beginn war ich auf der Suche nach einer Methode, die es mir ermöglichen sollte so zu malen, wie es meinem Temperament entsprach. In der chinesischen "Shui Mo Dan Qing" Malerei fand ich diese Möglichkeit: Sehr reduziert im Motiv, konsequent auf das Wesentliche konzentriert und mit großer Ausdruckskraft. Shui mo Dan Qing enthält "Nong He Dan De Mo". "Nong De Mo" bedeutet den Pinsel mit schwarzer Tusche zu benutzen. "Dan De Mo" ist ein Pinsel voller Wasser, der nur mit etwas Tusche versehen über das Blatt geführt wird. "Nong" malt sozusagen Knochen, "Dan" das Fleisch. Es gibt wenig Schwarz, aber viel Weiß, bzw. helle Flächen, die dem Betrachter die Möglichkeit zur eigenen Vervollständigung einer Form geben. Weiß ist also nicht etwa leer, sondern voller weicher Körperhaftigkeit. Das, was nicht gemalt worden ist, füllt sich mit Inhalt (Lao Zi lässt grüßen...).
Nun, bis ich soweit war, auch nur annähernd in dieser Methode malen zu können, vergingen Jahre. Die beste Vorraussetzung ist das Beherrschen der speziellen Pinselführung, wie sie der Schriftkunst (Shu Fa) zueigen ist. Die "Shui Mo Dan Qing" Methode ist abhängig von der absoluten Stimmigkeit der wenigen Linien. Ist eine von ihnen ohne Kraft oder ohne Kenntnisse um das Wesentliche eines Motivs gemalt, verliert das Bild seine Aussage. Neben dem Wissen um das Motiv bedarf es also einer durch viel Übung im Unterbewusstsein abgelagerten Beherrschung des Pinsels, die dann beim oft sekundenschnellen Malen eines Bildes der Intuition und der Emotion zur Verfügung steht. Beim Schreiben von chinesischen Schriftzeichen lerne ich jeden Moment einer Linie mit voller Aufmerksamkeit und Kontrolle wahrzunehmen. Es vermittelt ein Gefühl für Möglichkeiten und Entscheidungen. Und zwar bewusste Entscheidungen. Ich mache eine Linie nicht so oder so, weil ich es nicht anders kann, oder weil sie zufällig so geworden ist, sondern ich forme sie bewusst und immer im Hinblick auf das Vorangegangene und das Kommende. Das lehrt die chinesische Kalligrafie. In die Tiefe zu gehen, zu begreifen, was zu tun ist, um eine Vorstellung, eine Idee zu realisieren. Und Das muss mir zur Verfügung stehen, wenn ich malen will. Das muss mir zur Verfügung stehen, wenn ich kämpfen muss, wenn ich leben will.