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"Kampfkunst aus China - eine darstellende Kunst im Westen?"
Von Karin Zhang



1. Teil: Eine Erklärung zu Kampf, Kunst und Kultur aus China.

Vom Chinesischen ins Deutsche übersetzt, bedeutet "Wu Shu" "die Kunst des traditionellen Kämpfens". Dabei beinhaltet das Zeichen "Shu" neben der Übersetzung "Können" ebenfalls das Wort "Kunst". Folglich ist also das "Können" im Begriff Wu Shu nicht nur eine Basis des Kämpfens, sondern so speziell ausgebildet, dass es einen künstlerischen Anspruch bekommt. Es zählt demnach nicht nur ein gewisses Können, das durch das Erlangen eines entsprechenden Wissens und Erlernen einer bestimmten Methodik entwickelt werden kann, sondern außerdem ein Talent, das den Künstler schließlich über den Könner erhebt und Wu Shu zur Kunst werden lässt.
Betrachten wir einmal den Begriff für die bildende und darstellende Kunst im chinesischen: die zwei Zeichen "Yi Shu": Hier steht "Yi" für Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit und das gleiche "Shu", wie oben erwähnt, für Kunst und ein Können spezieller Techniken. Wir haben es also im Vokabular der bildenden und darstellende Kunst, wie auch in der Bezeichnung des traditionellen Kämpfens zur Hälfte mit dem gleichen Schriftzeichen wie in der Kampfkunst zu tun. Diese Übereinstimmung in den Schriftzeichen zeigt, dass im Ursprungland des Wu Shu, in China, die Zuordnung zu den Künsten bereits im Vokabular festgeschrieben ist. Als Wu Shu werden dort die sogenannten "äußere Kampfkünste" wie das hier bekanntere Kung Fu bezeichnet, als auch die "inneren Kampfkünste" Tai Ji Quan, sowie z. B. Xing Yi Quan und Ba Gua Zhang.
Ich werde mich nun, bezüglich der kunstbetreffenden Betrachtungsweise, auf die heutigen Umstände des Wu Shu im Westen beschränken, um nicht zu sehr auszuholen. Ich behaupte, dass seine Zuordnung zur darstellenden Kunst mehr den je zutrifft und zwar in dem gleichen Maße, wie auch Tanz oder Schauspielerei unbestritten als darstellende Künste bezeichnet werden. Ich möchte, dass Wu Shu einen festen und eigenen Platz in unserer europäischen Definition für Kunst bekommt und ihm entsprechende Rechte eingeräumt werden.

Um meiner Behauptung zu belegen, gebe ich zunächst eine Erklärung, warum chinesisches Wu Shu auch bei uns im Westen betrieben werden sollte:
Angesichts der glücklichen Tatsache, dass wir heutzutage im allgemeinen weniger einer direkten körperliche Gewalt durch menschliche Gegner ausgesetzt sind als früher, sollte man vielleicht meinen, das Erlernen einer Kampfkunst, bei uns auch des öfteren als Kampfsport bezeichnet, sei somit überflüssig geworden. Dem steht entgegen, dass hier die Zahl an nichtmenschlichen Gegnern um so größer geworden ist. Allein unser Maschinenpark mit Auto, Computer, Fernseher und anderen technischen Zeitgenossen, die zwar wunderbar arbeitserleichternd sind, uns aber durch ihren permanenten Gebrauch zu Bewegungsunfähigkeit und Fehlhaltungen verleiten, beeinträchtigt und gefährdet unsere Gesundheit dermaßen, dass das Ergebnis oft genug einem verlorene Kampf mit vielen Blessuren gleichkommt.
Hier kann das Erlernen von Wu Shu Künsten Ausgleich schaffen. Was letztendlich ist denn Kampffertigkeit? Die Fähigkeit zu kämpfen bedeutet doch in erster Linie nichts anderes, als sich körperlich und geistig effektiv gegen verschiedene Übel wehren zu können. Es gilt in erster Linie den Körper bei Gewalteinwirkung der Situation angemessen bewegen zu können, dass man möglichst unversehrt bleibt. Das ist die Basis. Eine Gesundheit gefährdende Gewalt kann durch Menschen, aber zum Beispiel auch genauso gut durch den einseitigen Richtungszwang, den ein Computerbildschirm unserem Nacken über Stunden auferlegt, ausgeübt werden. Bei letzterem wirkt die einwirkende schädliche Kraft auf Dauer mindestens so schlimm wie ein Schlag auf den Kopf. Kopfschmerzen und Schlimmeres sind bei beidem die Folge.
Zusätzlich wird der Mensch bei mangelnder Bewegung schwach oder übergewichtig, tendiert zu Schonhaltungen, belastet in folge seine Gelenke in uneffektiver Art und Weise, lässt sein natürliches Reaktionsvermögen verkümmern und ist schließlich nicht nur dem körperlichen, sondern in Folge auch dem geistigen Unbill des Alltags hilflos ausgesetzt. Der Gang wird kraftlos und unsicher; Hindernisse können mangels Gleichgewicht zum Gefahrenträger werden; etwaiges Ausweichen ist nicht möglich. Eine solche körperliche Verfassung wirkt sich negativ auf den Geist aus, womit die nächsten psychosomatische Probleme vorprogrammiert sind. Gesund ist derjenige, der Körper und Geist in Einklang bringt. Eine entsprechende Kontrolle von beidem kann durch Wu Shu Training vermittelt werden. Soviel einstweilen zum gesundheitlichen Teil des Wu Shu.

Beleuchten wir nun den Künstlerischen Aspekt: Es ist nicht so, dass jeder, der Wu Shu trainiert, also sich, wenn auch noch so intensiv mit dieser Kampfkunst beschäftigt, auch ein wirklich künstlerisches Niveau erreicht. Ebenso, wie nicht jeder, der gern tanzt oder malt, ein entsprechender Künstler ist. Neben der Begeisterung gehören aufopferungsvolle Hingabe, eine entsprechende Ausbildung und ein angeborenes künstlerisches Talent dazu.
Ein solches Talent ist die Fähigkeit, mit dem Ausdruck seines Körpers und der Ausstrahlung des Geistes Situationen, wie sie im traditionellen chinesischen Kampf vorkommen, fiktiv darzustellen und persönlich zu interpretieren. In den heutigen Wettkampfsituationen des Wu Shu ist das ein oberstes Bewertungskriterium. Es werden situationsbezogene Bewegungsabläufe (Tao Lu) einstudiert, die sowohl extrem sportliche, als auch akrobatische Elemente zur körperlichen Grundlage haben. Ästhetik, Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit der Technik müssen bei den Vorführungen vermittelt werden. Die Ausführung der Bewegungen muss indes auch die geistigen Fähigkeiten des Darstellers zum Ausdruck tragen.

Betrachten wir diesbezüglich die innere Kampfkunst des Wu Shu, das "Tai Ji Quan": Eine vorgeschriebene Bewegungsfolge (Tao Lu) im Tai Ji Quan muss grundsätzlich im stetigen, unausweichlichen und doch nachgiebigen Rhythmus fließenden Wassers gelaufen werden. Dieser Rhythmus muss genau mit der Logik der aufeinanderfolgenden körperlichen Bewegung abgestimmt sein, um die Effektivität des Geschehens, nämlich das Abwehren und Bezwingen eines fiktiven Gegners, zu vermitteln. Ähnlich einem Tanz sind die Bewegungen von dem Rhythmus und der Darstellungskraft des Künstlers geprägt, dem die Möglichkeit zur Interpretation der Vorgabe gegeben ist. Wohlgemerkt, es gilt dabei nicht die rein äußerliche Darstellung eines Flusses, Baches oder Meeres zu erzeugen, sondern die charakteristische Wesenheit des Wassers in seiner zwingenden Sanftheit und explodierender Stärke geistig zu erfassen und körperlich zu nutzen, um in genau dieser Wesenheit die Schritte, Sprünge, Tritte, Schläge und Griffe seiner Kampfkunst auszuführen.
Die Körperbeherrschung, die dazu nötig ist, beschränkt sich nicht auf Sehnen, Gelenke und Muskulatur. Erst durch eine entsprechende Atem- und Energiekontrolle wird das Gelingen gewährleistet. Der Darsteller beherrscht dazu den genauen Verlauf der Energie innerhalb seines Körpers und Geistes. Nur, wenn dieser Verlauf nach dem daoistischen Prinzip des stetigen Wechsels von Yin und Yang erfolgt, werden seine Bewegungen Erfolg haben. Es handelt sich dabei um das in China seit über viertausend Jahren erforschte und gelebte Prinzip des natürlichen Wandels, das Prinzip von "Yin und Yang", schließlich unter dem Begriff des "Dao" definiert von einem der wichtigsten Philosophen unserer menschlichen Geschichte: "Lao Zi" (ca. 580 v. u. Z.).
Das Verständnis und Meistern dieser Energiekontrolle erfordert eine fundierte Ausbildung. Nur so können ein vorhandenes Talent und entsprechender Fleiß zur Kunst verfeinert werden.
Messbar wird die künstlerische Qualität des Wu Shu bei vielen internationalen Wettkämpfen und Vorführungen zur chinesischen Kunst und Kultur, die immer mehr Achtung und Zuspruch bei uns im Westen finden. Bisher war die chinesische Kultur vor allem wegen ihres stark gesundheitsfördernden Inhaltes bekannt. Immerhin ist die Basis des Wu Shu, das Prinzip von Yin und Yang, nichts geringeres als die Basis der gesamten, traditionellen chinesischen Medizin. Der künstlerische Wert nimmt bei uns in dem Maße zu, indem sich ausgewiesen hochqualifizierte chinesische Wu Shu Künstler (in China als Meister bezeichnet) der Ausbildung hiesiger Schüler widmen, die in der Darstellungsform dieser speziellen Bewegungskunst die passende Ausdrucksmöglichkeit ihres künstlerischen Potentials gefunden haben. Solche Schüler wiederum stellen sich der Bewertung ihres Könnens, unterliegen bei Wettkämpfen bestimmten qualifizierten Bewertungskriterien, die Prüfungen gleich kommen.
Fehlt es einem Wu Shu Schüler jedoch an dem nötigen Talent, um sein Tun zu künstlerischer Qualität zu bringen, so hat sein Training doch immerhin einen extrem gesundheitsfördernden Wert und ist somit sinnvoll und unbedingt förderungswürdig, sowie auch die Malerei seit langem zu heilenden gesundheitsfördernden Zwecken angewandt wird.


2. Teil: Zhang Jun - ein Wu Shu Künstler und Qi Gong Meister im Westen

Mit Meister Zhang Jun ist ein entsprechend hochqualifizierter Wu Shu Künstler aus China zu uns, nach Deutschland gekommen. Herr Zhang Jun ( Zhang Xuan De ist sein in China verwendeter Künstlername, Long Jun der in Deutschland verwendete) kam im Jahre 2002 nach Deutschland. Im Mai desselben Jahres veranstaltete ich in Dortmund ein zweitägiges Projekt zum chinesisch-deutschen Kulturaustausch mit verschiedenen Seminaren und einer Ausstellung mit chinesischen und deutschen Künstlern aus dem Bereich Malerei und Grafik. Herr Zhang führte bei der Gelegenheit eine Kostprobe seiner Wu Shu Kunst vor. Diese war von solch einer Kraft und Anmut, wie ich es noch nie zuvor, weder in China, noch in Deutschland gesehen hatte.
Nicht neu in der Branche der chinesischen Künste und selbst diplomiert im Bereich des künstlerischen Design, hatte ich sofort den Wunsch, meine eigenen Fähigkeiten in der chinesischen Kalligrafie um die Wu Shu Kunst eines Herrn Zhang zu erweitern, während ich doch zuvor Wu Shu "nur" als Gesundheitstraining nebenbei betrieben hatte. Mir wurde mit der Vorführung von Herrn Zhang schlagartig klar, auf welch hohem künstlerischen Niveau Wu Shu betrieben werden kann und dass es der Ausdrucksstärke und Tiefe einer bildenden Kunst, wie ich sie selbst mit der chinesischen Kalligrafie und Malerei betreibe in nichts nachsteht. Im Folgenden organisierte ich viele Auftritte für Zhang Jun, bei denen wir immer wieder die starke Ausstrahlung und die Intensität seiner Darstellung von den Zuschauern bestätigt bekamen.
Eine besondere Auszeichnung seiner Kunst erhielt er 2004 bei den 7. Internationalen deutschen Meisterschaften, wo er in der höchsten Ausbilderkategorie beide Erstplatzierungen belegte. Seit dem ist er selbst bei der jährlichen Meisterschaft als Schiedsrichter und Jurymitglied tätig.
Worauf gründet sich sein besondere Ausdrucksstärke, die in seinen Darstellungen so sehr überzeugt?

1. Er beherrscht die Kunst der Fiktion aus dem Wissen um die Wirklichkeit heraus. Das heißt, er kennt zutiefst die Logik der Bewegungen in der Anwendung des Kampfes. Dieses Wissen zieht er aus seinem langjährigen Training der inneren und äußeren Kampfkünste in China, das er schließlich mit einer Prüfung zum Ausbilder für Tai Ji Quan und Kung Fu abschloss.

2.Er studiert und praktiziert seit seinem achtzehnten Lebensjahr Qi Gong.
Qi Gong ist die Lehre des effektiven Atmens und gilt auch im westlichen medizinischen Bereich bereits als anerkannte, heilende Energiearbeit. Zhang Jun erlernte die "Drachentor Qi Gong Lehre zur Gesundheitspflege" unter Großmeister Wang Li Ping, dem Vertreter in achtzehnter Generation einer der berühmtesten Qi Gong Schulen Chinas (= Daoistisches Quan Zhen Jiao Drachentor Qi Gong). Er beherrscht den inneren und äußeren Energieverlauf, indessen Folge Körper und Geist zu einer Einheit verschmelzen. Auch in diesem Bereich ist Zhang Jun durch eine entsprechende Prüfung zum Ausbilder für Qi Gong legitimiert.

3. Er kennt die biologischen und medizinischen Zusammenhänge des menschlichen Körpers, da er ein abgeschlossenes Studium der westlichen Medizin absolviert hat und sich anschließend berufsbegleitend der traditionellen chinesischen Medizin widmete (Prüfung zur Berechtigung der Akkupunkturanwendung, beherrscht die Qi - Übertragung).

4. Er lernte im Alter von zwanzig Jahren die Schauspielerei kennen, verfolgte also sein Interesse an der darstellenden Kunst auch auf dieser Linie. Zur Blüte kommt dieses Interesse in dem Betreiben des Wu Shu.

Eine solch breite Basis an fundierter, fachlicher Ausbildung bei entsprechendem Talent ist sehr selten und macht Meister Zhang Juns Fähigkeiten einzigartig. Sie prädestiniert ihn zu einem außergewöhnlich guten und erfolgreichen künstlerischen Darsteller und gewissenhaften Lehrer des Wu Shu. 3.Teil "Eine Schule für Chinesische Kunst und Kultur wird gegründet" Long Bao - Schatz des chinesischen Drachen Die Dortmunder "Long Bao Schule für chinesische Kampfkunst und Kultur" ist aus meinem langjährigen "Atelier Giesen" entstanden. 2004 wurde dieses offiziell um den Bereich Wu Shu und Qi Gong erweitert. Allein die Anwesenheit von Zhang Jun hat diese Entwicklung ermöglicht. Ohne ihn gäbe es die Schule heute nicht. Sie zählt zur Zeit 35 feste Mitglieder und ca. 20 Schüler außer Haus. Der Schwerpunkt des Kampfkunstunterrichts Unterrichts liegt auf der Vermittlung des Wu Shu als Kunstform. Dazu werden Qi Gong, chinesische Schriftkunst, Malerei und Sprache angeboten. Seit Februar 2006 wird dieses Wissen zusätzlich zu festen Zeiten an verschiedenen Kindergärten und Grundschulen unterrichtet. Meister Zhang Jun hat mich seit dem Jahr 2002 so gut ausgebildet, dass ich unter ihm erfolgreicher Ausbilder unserer Schule geworden bin und meinen Wert als Darsteller der Wu Shu Kunst bei folgenden Wettkämpfen bestätigt bekommen habe: 2004 Int. Dt. Meisterschaft für innere und äußere Kampfkunst: Zweiter Platz Tai Ji (Tai Chi) Waffenform 2005 Int. Dt. Meisterschaft für innere und äußere Kampfkunst: Erster Platz Tai Ji Waffenform Dritter Platz Tai Ji Handform 2005 Kuo Shu Cup für innere und äußere Kampfkunst: Zweiter Platz Tai Ji Waffenform, Ausbilderklasse Erster Platz Tai Ji Handform 2006 Int. Dt. Meisterschaften für innere und äußere Kampfkunst: Zweiter Platz Kung Fu Waffenform, Ausbilderklasse Zweiter Platz Tai Ji Handform, ab vier Jahre Erfahrung Zweiter Platz Tai Ji Waffenform, ab vier Jahre Erfahrung Der Erfolg von Zhang Juns Ausbildungsqualität setzt sich offensichtlich unter unseren Schülern fort. So wurden allein dieses Jahr bei den Internationalen deutschen Meisterschaften von 13 Teilnehmern unserer Schule insgesamt 10 Platzierungen geholt. Alle in der Darstellung von Bewegungsfolgen des Wu Shu durch einen Darsteller. Die Anwesenheit von Zhang Jun in Deutschland hat bereits jetzt im Bereich der Wu Shu Kunst und der Gesundheitspflege viele wertvolle Früchte getragen. Sein besonderes Talent vermittelt Faszination und Freude an der chinesischen Kultur. Über ein Jahr hat er sein Können nebenbei dem Shaolin Tempel Deutschland zur Verfügung gestellt. Sein engagierter Einsatz bei vielen Seminaren und Shows, sowie beim Aufbau der Long Bao Schule in Dortmund zeigt, mit welch großer Leidenschaft Zhang Jun seine Künste weitergeben möchte.